Kolonialkrieg ohne Kolonie? Deutschland in Afghanistan - Cover
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ISBN/EAN: 978-3-96054-514-9
Einband: kartoniertes Buch
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Sprache:
Deutsch
Umfang:
176 S.

Hersteller:
Edition Nautilus GmbH
Katharina Picandet
info@edition-nautilus.de
Schützenstraße 49a
DE 22761 Hamburg
www.edition-nautilus.de

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Kolonialkrieg ohne Kolonie? Deutschland in Afghanistan

Nautilus Flugschrift

18,00 €

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Artikel erscheint am 19.10.2026

Beschreibung

Von 2002 bis 2021 war die Bundeswehr im Krieg in Afghanistan. Für ARD und Deutschlandradio hat Marc Thörner den Krieg jahrelang vor Ort beobachtet - teilweise embedded bei verschiedenen NATO-Armeen. Ein Krieg, in dem fast lehrbuchmäßig Strategien eingesetzt wurden, die an das deutsche Kolonialreich erinnern: Zusammenarbeit mit korrupten und mafiösen Kriegsherren; Stammespolitik zugunsten ausgewählter Ethnien; Sprache und (Fehl-)Information als Mittel psychologischer Kriegführung einer Armee, die sich zwar als Schutzmacht versteht, tatsächlich aber Risikoumkehr zu Lasten der Bevölkerung betreibt. Marc Thörner sprach mit dem Vordenker der Taliban, mit Warlords und Bundeswehrkommandeuren, mit Vertretern der afghanischen Zivilgesellschaft, mit Minister*innen, Diplomaten und dem Leiter des Untersuchungsausschusses im Bundestag. Nach dem überstürzten Abzug der westlichen Truppen begab er sich erneut auf eine Spurensuche vor Ort. In seiner Analyse verdeutlicht Thörner, dass das Bild von 'Antiterrorkampf' und 'Nation Building' heute nicht minder stark geschönt ist als während des Kriegs. Fünf Jahre nach der Niederlage fragt er, ob der Einsatz nicht neu bewertet werden sollte: als einer der letzten großen Kolonialkriege, mit allen Lehren, die sich daraus für aktuelle Konfliktherde der Welt ergeben.

Über Marc Thörner

Marc Thörner (*1964) ist freier Journalist, uberwiegend fur ARD-Rundfunkanstalten. Er berichtet aus dem Maghreb, den Golfstaaten, Irak, Pakistan und Afghanistan. Bei Edition Nautilus erschienen u.a. 'Afghanistan Code' (2010) und 'Rechtspopulismus und Dschihad' (2021). 2009 erhielt Marc Thörner den Otto-Brenner-Preis fur kritischen Journalismus. Er lebt in Hamburg und Marokko.

Leseprobe

Kabul wirkt in diesem Winter 2021 weiter in der Zeit zuruck als bei meinem letzten Besuch, noch vor dem Machtwechsel. Die Präsenz von NATO-Militärs, die mit ihren vielfältigen Fahrzeugtypen, ihren Konvois durch die Straßen rasselten, die Limousinen der Neureichen und der Profiteure, all der Nadelstreifen-Warlords, ihre blitzblanken Geländewagen mit den Bodyguards, der bescheidene Wohlstand, der durch die Ausländer fur viele abfiel, die bunten Konsumartikel, die Aktivität an allen Ecken und Enden, die Neubauten, die Projekte, die durch bunte Schilder mindestens angekundigt wurden - alles ist verschwunden. Auf die Stadt im Talkessel zwischen den Hugeln, an die sich improvisierte Lehmhäuser klammern, scheint sich der sprichwörtliche Mehltau gesenkt zu haben. Alles ist wie uberzogen mit einem beigen Staubton. Weder Straßen noch Fassaden werden instandgehalten. Sogar ein Bild von Ahmad Shah Masoud, dem Widerständler gegen die erste Taliban-Herrschaft in den 1990ern, ist nur halb zerfetzt, nur halb herabgerissen. Der Sieg ist so gewiss, dass niemand sich die Muhe macht, die Symbole der Republik zu tilgen, nicht einmal auf den erbeuteten Polizeifahrzeugen.

Schlagzeile

Funf Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr: Afghanistan-Experte Marc Thörner wagt eine Neubetrachtung des gesamten Einsatzes