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ISBN/EAN: 978-3-87448-496-1
Einband: gebundenes Buch
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Auflage:
1. Auflage 2018
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
280 S.

Hersteller:
B. Kühlen Verlag GmbH & Co. KG
info@kuehlen-verlag.de
Franziskanerstraße 30
DE 41063 Mönchengladbach


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Schrammen Architekten BDA

Projektauswahl Architektur 2008-2018, Dt/engl

79,00 €

Nicht lieferbar

Beschreibung

ARCHITEKTUR ALS GEBAUTES - ZUR HALTUNG VON SCHRAMMEN ARCHITEKTEN OLAF WINKLER Dass die Komplexität von Architektur heute zugenommen habe, ist eine viel diskutierte These. Sie ist richtig, weil sich die Kräfteverhältnisse im Schaffensprozess von Architektur in den letzten Jahrzehnten verschoben haben. Bauherrenschaften sind unübersichtlicher geworden; in vielen Fällen stehen den Architekten nicht eine einzelne Person oder begrenzte Gruppe als Auftraggeber gegenüber, sondern differenzierte Institutionen, zu denen darüber hinaus unterschiedliche rechtliche und wirtschaftliche Kontrollebenen treten. Architekturbüros differenzieren sich ihrerseits aus, in Relation zu diesen Auftragssituationen, aber auch aufgrund der Architektur immanenter Entwicklungen. Anspruchsvollere Technologien, die mit der Digitalisierung ebenso zusammenhängen wie etwa mit energetischen Fragestellungen, führen zu umfangreicheren Planungsteams mit ausgewiesenen Expertisen; Koordination ist ebenso wichtig wie das Entwerfen selbst. Zudem wächst die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, was erfreulich ist, doch die Vielfalt der betroffenen Interessen auch deutlicher macht. Zugleich führt die eingangs zitierte These ein wenig in die Irre, weil sich Kernfragen der Architektur keinesfalls geändert haben. Beim Schaffen von Architektur geht es weiterhin darum, funktionale und zugleich ansprechende, zeitgemäße und zugleich dauerhafte Umgebungen zu erdenken und zu realisieren. Sie sollen für unterschiedlichste Nutzer geeignet sein und gleichzeitig den ganz individuellen Bedürfnissen des Einzelnen Raum geben, auf eine Weise, die sie ihrerseits in das Vorhandene, in den Kontext einpasst. Dazu gilt es für den Architekten, Entscheidungen zu treffen, die verantwortlich und umsichtig sind und somit innerhalb abzuwägender Alternativen eine begründete Wahl darstellen. Burkhard Schrammen, der mit den Planungen seines Architekturbüros die Fähigkeit zu solch begründeten Entscheidungen immer wieder unter Beweis stellt, hat das folgendermaßen formuliert: 'Es gibt eine Vielfalt von Möglichkeiten, mit Bauen, mit Architektur, mit gesellschaftlichen Einstellungen umzugehen.' Der Satz stammt aus dem Text, den Schrammen der Publikation zum 20-jährigen Bestehen seines Büros voranstellte. 2008 war dies - seitdem sind weitere zehn Jahre vergangen, in denen das Büro mit Sitz in Mönchengladbach erfolgreich weitergearbeitet, Preise gewonnen, Bauten realisiert hat. Der Satz wirkt dabei zunächst sehr allgemein, ist aber wichtig und bemerkenswert - verrät doch der genauere Blick auf ihn bereits viel über die ganz spezifische Haltung Schrammens und seines Büros: über das Selbstverständnis und die Herangehensweise an die Arbeit des Architekten. So ist es zum einen keineswegs Zufall, dass hier ganz konkret das Bauen zuvorderst genannt wird. Burkhard Schrammen schloss sein Studium 1982 an der RWTH Aachen ab; seine Lehrer, allen voran Fritz Eller, stammen aus einer Generation, die sowohl das praktische Bauen der Nachkriegsmoderne als auch die unruhigen und theoriegeprägten Phasen rund um die späten 60er- und 70er-Jahre miterlebt und ihre Erfahrungen weitergegeben hat. Vor diesem Hintergrund ist es einzuordnen, dass Schrammen selbst seine berufliche Laufbahn im akademischen Kontext an Ellers Aachener Lehrstuhl für Entwerfen von Hoch- und Industriebauten begann, sich dann aber bewusst für die Praxis entschied: für das tatsächliche Erschaffen von Räumen, die der Belebung dienen und sich ihr stellen. Zum zweiten hat der Begriff der Vielfalt in diesem Satz keinen negativen Klang, im Gegenteil. Im einzelnen Entwurfsprozess gilt es, innerhalb der Möglichkeiten die richtige Wahl zu treffen; im Gesamtwerk des Büros Schrammen Architekten aber ist die Vielfalt - im Sinne der Bauaufgaben, im Sinne auch einer Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Bauherren und Nutzern - genuiner Charakterzug. Auch ihn eignete sich Schrammen schon während der Hochschulzeit an; insbesondere das breite Spektrum an Wettbewerben, die das Büro in den Jahren seines Bestehens absolviert und gewonnen hat, ließ daraus ein Kontinuum werden. Diese Offenheit, die eine Festlegung auf einige wenige Typologien ebenso wie eine stilistisch eingeengte 'Handschrift' vermeidet, bedeutet, dass der Architekt weder als Ideologe noch als Konstrukteur einer wiederkehrend ähnlichen 'Maschine' verstanden wird, sondern als jemand, der immer wieder neu Räume kreiert, die gemäß menschlichen Bedürfnissen Zusammenhänge schaffen. Die konkrete Funktion bzw. Nutzung und jene Bedürfnisse bestimmen das 'Wie'. Dieses 'Wie' schließt, dritter Stichpunkt des zitierten Satzes, jene gesellschaftlichen Einstellungen ein, die nichts anderes meinen, als wie wir uns gemeinsam in Stadt und Häusern aufhalten und in ihnen interagieren - zeit spezifisch und über Zeiten hinweg. In der Architektur von Schrammen Architekten, die in ihrer Erscheinung immer wieder die tiefgreifende Kenntnis der Moderne erkennen lässt, geht es dabei nicht - wie zuweilen noch in eben jener Moderne des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts - um Dogmen, wie der Mensch zu leben habe, sondern um das Erschaffen eines Ortes, der durch seine dezidierte Offenheit seinerseits Wahlmöglichkeiten des Nutzers und damit vielfältige Interaktion erlaubt. Dies bedeutet, dass die Architektur nicht dominant, sondern im besten Sinne dienend ist. Eines, wenn nicht das wichtigste Kriterium wird so jenes des Raums. Letzterer ist nicht abstrakt-theoretisch gedacht, sondern ganz konkret: Raum 'im Großen' als Gefüge einzelner Räume 'im Kleinen', die vom tatsächlichen Gebrauch und Erleben ausgehen. Ausschlaggebend sind grundsätzliche Fragen dicht am Alltag des Menschen: Wie trete ich in ein Gebäude ein, wie leitet die Architektur mich weiter, wo entstehen Durchblicke, Zusammenklänge, Begegnungsflächen, wo Orte der Privatheit und des Innehaltens? Die übergeordneten Funktionen - Wohnen, Arbeiten, Freizeit, die unser Leben bestimmen und in ihm ineinandergreifen - stehen jeweils am Anfang, über diese Fragen aber erfahren sie ihre Transformation in Architektur und werden im Übrigen auch vergleichbar, ohne dass die konkreten Ergebnisse eine Eintönigkeit erführen. Hinzu kommt, dass das Büro sehr wohl eine Handschrift besitzt, nur dass diese eben nicht formal eingeengt ist. Wenn Schrammen selbst als ein weiteres wichtiges Kriterium die Einpassung in den Kontext nennt, dann ist diese Offenheit eine nicht zu unterschätzende Qualität. Sie mündet niemals in Imitation des Umgebenden, sondern zielt auf zweierlei: Bauten, die ihr Umfeld nicht diktatorisch bestimmen, sondern sich einordnen. Und Bauten, die sich der (sozial-) räumlichen Strukturen rundum bewusst sind und ihrerseits solcherlei Strukturen und Zusammenhänge kreieren. Der Blick auf jüngste größere Wohnbauprojekte zeigt dies exemplarisch: Sie schaffen eine Einheitlichkeit ohne Monotonie, sie laden zum Bewohnen ein, und sie bauen Stadt fort im Sinne jener räumlichen, gewachsenen Zusammenhänge, die der Architekt am Standort vorfindet. So verbinden Projekte wie der Vituspark in Mönchengladbach oder der Longlife Wohnpark in Nettetal-Lobberich auf jeweils eigene Weise unterschiedliche Bauformen. Vor allem aber fügen sie die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzer von jung bis alt, von Singles über Familien bis zu generationsübergreifendem oder begleitetem Wohnen zusammen - in grünen, innerstädtischen Ensembles. Die 'innere Durchwegung', sprich die bewusste Nicht-Abgeschlossenheit des Areals, ist dabei wichtiges Element der Verwebung alter und neuer städtischer Strukturen. Gleiches gilt bei den Roermonder Höfen in Mönchengladbach, die Raum zum Wohnen und Arbeiten verknüpfen: Sie schotten beides nicht nach außen ab, sondern definieren ein Quartier, dessen Freiräume entlang eines neugeschaffenen öffentlichen Spazierwegs für jedermann erlebbar werden. Räumliche Verbindung also statt Trennung: Das bedeutet, dass die Übergänge umso sorgfältiger gestaltet werden müssen, um Kontinuitäten ohne wech...